Krisipedia - Lexikon der Wirtschaftskrise und anderer kleinerer Katastrophen

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Die Ich-AG und Existenzbegründungen oder das Leben als soziale Fabrik

Dr.Albern am 16.09.2009
Zum einjährigen Jahrestag seit Beginn der Wirtschaftskrise ergab mein kurzer, persönliche Rückblick, dass sich seit letztem September einige in dieser Form nicht mehr funktionierende, kleinere und größere Unternehmen bzw. Institutionen entweder ganz oder teilweise aus dieser Welt verabschieden mussten, weil Sie unter anderem auch nicht über die Fähigkeit verfügten, sich in sinnstiftender Form neu zu erschaffen, um so Ihr weiteres Überleben zu gewährleisten.

Es ist fast ein nachsichtiges und mildes Gefühl, das sich deshalb bei mir einstellt, weil ich es bereits seit fast zwei Jahrzehnten gewöhnt bin, mich zur Bewältigung meiner Krisenzustände permanent aufs Neue zu erfinden.
Durch diese tagtägliche Beschäftigung mit dem finanziellen Überleben ergibt sich automatisch eine Antwort auf einen allgemein immer spürbareren Mangel an Sinn im Leben der Menschen.

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Der Charme und der gelungene Zahlungsaufschub

Dr.Albern am 27.08.2009
Ich gebe zu, aus einem familiären Umfeld zu kommen, das sich durch einen eher rüderen und mitunter derben Umgangston ausgezeichnet hat.
Zumindest intern, denn das brave Handgeben, schön "Krisgott" sagen, wenn man einen Älteren zu ersten Mal am Tag sieht und artig "Bitte" und "Danke" gehören nach Aussen kommunikativ zum bürgerlichen Basisprogramm.

Wenn es aber ans Eingemachte geht, da draußen in der bösen Wirtschaftskrisenwelt, dann ist wirklich soziale Kompetenz gefragt.
In den Anfängen meines Schuldnerdaseins versuchte ich lästige und mahnende Anrufer noch mit einem genervten "Schleich Dich, i hob eh schon nix mehr" von meiner momentanen Mittellosigkeit zu überzeugen.
Es ist klar, dass diese patzigen und mitunter ordinären Abwehrversuche beim Anrufer nur noch mehr Beharrlichkeit, Widerstand und Eintreibungseifer hervorgerufen haben.

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The Dark Side of the Dauerschuldverhältnis

Dr.Albern am 22.08.2009
Mittlerweile sind, bedingt durch die internationale Finanzkrise, die Lockangebote der diversen Bankinstititute, für jegliche Kreditformen aus der Radio- und Fernsehwerbung beinahe gänzlich verschwunden.
Da die selbsternannten Experten fürs Geld und deren Verwendung, um Ihr eigenes Überleben sicher zu stellen, zu Vater Staat (also eigentlich zu uns Steuerzahlern) betteln gehen mussten, werden wir von dieser Seite nicht mehr permanent in Versuchung geführt, belastetende Dauerschuldverhältnisse einzugehen.
Inzwischen hat der Groß-, Einzel- und Versandhandel die Idee sehr erfolgreich aufgegriffen und mit der Einführung des Ratengeschäfts den
Banken dieses einträgliche Kerngeschäft abgenommen.

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Wenn der Postbote freundlich winkt

Dr.Albern am 21.08.2009
Ich kann mich trotz der vielen, problemzentriert verbrachten Jahre noch sehr gut an einige Episoden und Erlebnisse aus meiner Kindheit erinnern.
Zum Beispiel, wenn rund um den 4. oder 5. jeden Monats der freundliche Herr Sch. von der Post geläutet hat, sein Fahrrad gegen den Zaun gelehnt hat und kurz darauf in unserer Diele aus der vergilbten und abgewetzten Bauchposttasche die Pensionen in bar für meinen Opa und meine Oma hervorgeholt hat. In den Ferien habe ich dann peinlich darauf geachtet, diesen kurzen aber für mich aufregenden Kontakt mit dem "Herrn Postler" ja nicht zu versäumen. Hin und wieder hat er mir ein Stück Schokolade oder ein Bonbon geschenkt. Ich habe Herrn Sch. nicht selten in meine stillen Abendgebete eingebunden.

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Inselphantasien und die Flucht vor der Krise

Dr.Albern am 19.08.2009
Während man größere Strecken mit dem Auto zurücklegt und das Fahren selbst zur unterbewussten Routine degradiert wird, schafft sich mein Bewusstsein so die nötigen Freiräume, über akute Krisenbefindlichkeiten nachzudenken. Meist untermalt durch Musik von der CD, MP3 Player oder Radio.
Als ich gestern am Rückweg von Wien durch den alten STS Hadern - "Irgendwann bleib ich dann dort" berieselt wurde, kam mir so der vormittägliche Besuch des Briefträgers und der damit verbundene Erhalt der Nachforderung der Sozialversicherungsanstalt in den Sinn.
Die lieben Leute von der SVA wollen für das Jahr 2008 einen netten Betrag von 2000,-- Euronen für meinen verpflichtenden Pensionsversicherungsbeitrag, von dem ich wahrscheinlich genau nix konsumieren werde, falls ich überhaupt so alt werde, abstauben

Wenn jetzt noch Peter Cornelius mit "Reif für die Insel" gespielt wird, werde ich wenden und in Schwechat den letzten Flug nach Caracas buchen....
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